Familiäre Verantwortung Frauen

Wer mir auf Instagram folgt, der hat vielleicht schon mitbekommen, dass unser familiärer Start in 2018, gelinde gesagt, etwas holprig war. Nach einem schönen Ausflug an die Ostsee sind wir voller Tatendrang zurück nach Bremen gekommen und ich habe mir eine richtig fette Grippe eingefangen, die mich neun Tage ans Bett fesselte.

Damit nicht genug, denn als es mir wieder einigermaßen besser ging, wurde Karl dann krank, was mich eine weitere Woche zu Hause festhielt, danach traf es meinen Freund. Insgesamt also fette drei Wochen Krankenlager im Hause Winter. Ihr könnt es euch denken – der Januar war unfassbar anstrengend.

Pia Winter Bett

Wenn ich so ans Bett gefesselt bin und körperlich abbaue, dann schlägt das auch automatisch auf meine Psyche und ich fange an, vieles zu hinterfragen. Wie kommt das eigentlich, dass ich, seit ich ein Kind habe, so viel krank werde? Wieso muss ich eigentlich immer zu Hause bleiben, wenn der Kurze schlapp macht? Ja, wieso ruft die Kita eigentlich immer auf meinem Handy an, wenn irgendwas los ist?

Passend zu diesen Fragen, die mich immer noch nachhaltig beschäftigen, obwohl ich jetzt schon wieder auf dem Damm bin und fleißig jeden Tag meine Stunden Arbeit leiste, ist mir gestern auf meinem Facebook Newsfeed folgender Comic von der französischen Künstlerin Emma ins Auge gesprungen, den die Brigitte geteilt hat und den ich euch unbedingt ans Herz lege!

Es geht darin um die Frage, wieso es eigentlich scheinbar selbstverständlich ist, dass die Frauen in unserer Gesellschaft die ganze mentale Last einer Familie tragen. Die Frau wird dort als Projektmanagerin der Familie dargestellt, der Mann als reiner „Untergebener“. Auch wenn das vielleicht nicht ganz der Rollenverteilung unserer Familie entspricht, finde ich mich doch in ziemlich vielen Punkten wieder. Denn Szenen wie diese spielen sich in meinem Alltag immer wieder ab:

Comic

Screenshots von Brigitte.de – dort findet ihr auch den ganzen Comic

Die Bilder habe ich auf Instagram geteilt und um Reaktionen gebeten, auf die ich nicht lange warten musste. Die Antworten sind alle ziemlich ähnlich. Eine Leserin schrieb mir „Das spricht mir schon sehr aus der Seele. Meine Mutter und Oma finde ich zu 100 % darin wieder. […] Ich sehe mich gestresst zwischen Spagat zwischen Haushalt, Kindern, Hund, Mann, Haushalt. Sport und Freizeit sind gerade gen Null gefahren.“

Eine andere Leserin räumt ein „Mein Freund macht zwar seeeeehr viel, aber eben auch nur nach Aufforderung und nicht komplett fertig (z.B. Küche aufräumen, aber nicht die Arbeitsplatten wischen). In den Semesterferien stört es mich nicht, aber jetzt ist gerade Prüfungszeit und es ist schon recht nervig. […] Aber er kümmert sich morgens ums Kind, macht sie für die Kita fertig und bringt sie hin. In der Zeit mache ich den Haushalt. Ich würde aber lieber mit meinem Kind spielen als abwaschen und co …“

Kind spielt Eisenbahn

Das sind so Geschichten, die ich auch immer wieder von meinen Freundinnen höre und natürlich auch von mir selbst kenne. Denn manchmal denke ich mir, anstatt meinem Freund jetzt Listen mit Dingen zu schreiben, die er erledigen soll, nutze ich die fünf Minuten lieber und stelle eine Spülmaschine an, schmeiße eine Wäsche rein usw.
Denn oftmals ist es auch so, dass ich, wenn ich eine Aufgabe verteilt habe, sogar noch mehrmals kontrollieren muss, ob sie auch wirklich erledigt wurde …

Klar, eigentlich könnte ich jetzt versuchen, hier „erzieherisch“ anzusetzen und die Wohnung einfach in dem Zustand lassen, in dem sie ist, und warten, bis er von selbst auf die Idee kommt mit anzupacken. Aber will ich das? Ich bin doch schon für ein Kind die Mutter – das reicht mir gerade auch.

Wie ihr wahrscheinlich schon merkt, habe ich für dieses Problem aktuell keine Lösung. Aber Erkenntnis ist ja oft der erste Schritt zur Besserung, so hoffe ich zumindest … Irgendwie müssen wir feministischen Mütter es doch hinbekommen, dass unsere Söhne es in ein paar Jahren selbstverständlich finden, im Haushalt zu helfen und ihren Kram nach Benutzung wegzuräumen.

Eine liebe Instagram-Followerin hat mir geschrieben, dass sie und ihr Mann immer wieder versuchen, GUT darüber zu streiten und seit längerer Zeit die App „Wunderlist“ nutzen, um Listen miteinander zu teilen. Beide tragen in verschiedene Listen wie Einkauf, Haushalt und Familie etc. Aufgaben ein. So sind Haushalts-Aufgaben wie Bad putzen, zur Mülldeponie fahren oder Familien-Aufgaben wie Kinderarzt-Termin machen schriftlich festgehalten. Sobald jemand etwas erledigt, streicht er es von der Liste und der andere erhält eine Benachrichtigung.
Es hilft in ihrer Partnerschaft dabei, dass der andere auch ein Gefühl dafür bekommt, was eigentlich alles geleistet wird.

Natürlich interessiert mich jetzt, wie ihr mit dem Thema umgeht. Habt ihr vielleicht den ein oder anderen Tipp, wie ihr effektiv als Paar solche Haushalts- und Familienangelegenheiten löst? Oder wollt ihr euch vielleicht einfach nur auskotzen? Schreibt es gern unter dem Blogpost in die Kommentare oder auch per Mail an little.lilies.diary@gmail.com

4 comments

  1. Liebe Pia, danke für dieses wichtige Thema. Es geht Mütter wie Väter an und ist die Königsdisziplin der Vereinbarkeit. Notfälle passieren immer und es sollte niemals nur einer einspringen. Zugegeben bin ich auch schon mal nicht ans Telefon gegangen, wenn die Kita angerufen hat. Jedes Mal wieder diskutieren mein Mann und ich wieder, wenn ein Kind krank ist. Das hat mich mach 2 Wochen Krankenlager dann auch zu mein Blogartikel “warum auch Papa Kind krank Tage nehmen sollte” bewogen. Für uns Mütter ist es unglaublich schwer, Verantwortung abzugeben, aber wir müssen es tun, sonst wird sich nie etwas ändern. Nicht in der Partnerschaft, im Haushalt oder bei der Kinderbetreuung. Gib vertrauensvorschuss und verlass dich auf deine Leute. Es wird gehen. Glaub mir. Alles Gute euch und bleibt gesund!
    Diana

    1. Danke für deine ausführliche Antwort.
      Ich finde es immer schon so unglaublich hilfreich, von anderen Eltern zu hören, dass sie auch mit diesen täglichen Aufgaben strugglen und manchmal einfach kein Bock mehr haben. Danke!

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