Death Valley mit Kind – absolut machbar

Eine Death Valley Tagestour mit Kleinkind – muss denn das sein? Tal des Todes. Ach, die Funeral Mountains gibt es hier auch. Weitere Ortsbezeichnungen wie Badwater oder Devil’s Golf Course klingen auch nicht gerade nach Kinderspielplatz. Was will man hier eigentlich? Hier scheint, zumindest auf den ersten Blick, tatsächlich nichts lebendig. Eine lebensfeindliche Landschaft wie auf dem Mars, die – nicht weiter verwunderlich – auch schon oft als Drehort für Filme wie Star Wars fungierte.

Death Valley mit Kindern

Wir hatten das Death Valley ursprünglich nicht auf der Agenda, aber dann hat es sich in unserer Reiseplanung gut ergeben, hier für einen Tag vorbeizuschauen und ich war mehr als gespannt. Ich erwartete nicht atemberaubend schöne Landschaften, aber doch beeindruckende. Aber vor allem interessierte es mich, wie es sich anfühlt an diesem Ort der Extreme.

Also ja, warum denn nicht mit Kleinkind ins Death Valley? Wenn man zur richtigen Jahreszeit kommt, sich gut informiert und an ein paar Verhaltensregeln hält, ist das überhaupt gar kein Problem.

Zabriskie Point mit Kind

Death Valley Tagestour mit Kind – der heißeste Ort der Welt

Der Death Valley Nationalpark in Kalifornien, an der Grenze zu Nevada, ist für viele Extreme bekannt. Er ist nicht nur der tiefgelegenste (-86 m) und trockenste Ort Nordamerikas, sondern hat auch als heißester Ort der Welt ins Buch der Rekorde Einzug gehalten. Eine Lufttemperatur von knapp 57°C wurde hier im Jahre 1913 gemessen. An keinem anderen Ort wurde jemals eine höhere Temperatur registriert. Auch die weltweit heißeste Bodentemperatur von knapp 94 Grad Celsius wurde hier gemessen. Autsch, da muss man ja fast schon Angst haben, dass einem die Schuhsohlen wegschmelzen. Barfußlaufen ist hier also mal definitiv nichts!

Wir fahren aus Las Vegas kommend ins Death Valley und nehmen die Einfahrt in den Nationalpark beim kleinen Ort Beatty, weil uns das Navi das so vorgeschlagen hat. Auch wenn wir natürlich wussten, dass die Entfernungen innerhalb des Tals nicht zu unterschätzen sind; wenn man mal dort ist, kommt einem alles noch weitläufiger vor.

Also fahren wir schon mal ewig durch das Death Valley durch, bis wir überhaupt erst bei unserem ersten Ziel, dem Badwater Basin, ankommen. Dazwischen nur Geröllwüste. Zwar faszinierende Weite, aber doch vor allem erstaunlich viel Nichts, ziemlich karge, tote Landschaft. Das Thermometer im Auto zeigt dabei fast minütlich ein Grad Fahrenheit mehr an, es klettert rasant hoch und knackt auch bald die Temperatur, die unsere Wetter-App für den Tag eigentlich angesagt hätte.

Badwater Basin Death Valley

Mein Tipp:

Wenn ihr die Temperaturvorhersage für’s Death Valley für den Tag eures Besuchs herausfinden wollt, dann gebt nicht einfach nur “Death Valley” als Ort ein, sondern zum Beispiel “Badwater” oder “Furnace Creek”. Das sind Orte wirklich im Zentrum, wo es die extremsten Temperaturen hat. Meine App hat mir für die ungenaue Ortsangabe “Death Valley” zehn Grad weniger angezeigt als für die beiden genauen Ortsangaben. Und es ist wirklich so gewesen, es hatte im März angenehme 23 Grad, als wir bei Beatty in den Park hineingefahren sind. Eine Dreiviertelstunde später in Furnace Creek hatte es 35 Grad. Im Sommer muss man mit Durchschnittstemperaturen um die 50°C rechnen.

Death Valley Tagestour

Death Valley Tagestour mit Kind – trockene Hitze und teure Tankstellen

Die Hitze im Death Valley ist eine sehr trockene Hitze. Sie ist daher auch ganz gut auszuhalten und macht dem Kreislauf nicht so zu schaffen wie die feuchten, schwülen Hitzen, die wir aus unseren Breitengraden eher kennen. So eine trockene Hitze macht aber sehr durstig! Das National Park Service empfiehlt, an einem Tag im Death Valley 4 Liter Wasser zu trinken.

Ich kann mich auch noch erinnern, dass ich hier ganz automatisch ziemlich viel getrunken habe. Nehmt also unbedingt ausreichend Wasser mit und noch ein paar Reserveliter zusätzlich. Tankt auch euer Auto nochmal voll, bevor ins Tal hineinfährt. Durch die auf Hochtouren laufende Klimaanlage verbraucht ihr um einiges mehr Sprit. Es gibt zwar auch im Death Valley Tankstellen, aber sie sollen unverhältnismäßig teuer sein.

Death Valley Autofahren

Unser erster Stopp ist eine Toilettenpause in Furnace Creek und wir steigen zum ersten Mal aus dem kühlen Auto aus. Ja, heiß ist es hier! Und wow, der Ort ist vielleicht schräg. Mitten in dieser menschenfeindlichen Wüste befinden wir uns plötzlich in einer Palmenoase. Natürlich sind die Palmen gepflanzt worden. Hier gibt es ein Visitor Center, eine Tankstelle, ein kleines Freichlichtmuseum, einen General Store, Campgrounds und andere Unterkünfte, einen winzigen Flughafen und ja, einen Golfplatz! Na, der musste wohl unbedingt sein. Etwas verwundert und stirnrunzelnd fahren wir weiter.

Death Valley Tagestour: mit Kind das Death Valley erkunden

Wir erreichen bald das Badwater Basin, den niedrigsten Punkt Nordamerikas (-86 m unter dem Meeresspiegel). Hoch oben am angrenzenden Felsen kann man übrigens ein kleines Schild „sea level“ entdecken, aber das hat mir erst mein reiselustiger Opa im Nachhinein erzählt. Mir gefällt es, dort auf der Salzkruste entlangzugehen, aber man hat auch bald alles gesehen. Bitte ganz schnell wieder ins verlockend kühle Auto!

Aber genau das ist das Angenehme am Death Valley, es lassen sich alle interessanten Punkte so problemlos vom Auto aus anfahren, dass die Hitze wieder gut auszuhalten ist. Man kann hier zwar auch Wanderungen machen, doch wir beschränken uns hier lieber auf das, was man von Parkplätzen aus gut erreicht. Das ist dann auch für ein Kind definitiv zumutbar.

Mit Kind würde ich von jeglichen Wanderungen und Erkundungen auf eigene Faust auch ganz explizit abraten. Im Death Valley sterben immer wieder Menschen, weil ihnen auf einsamen Nebenstraßen das Benzin ausgeht oder sie sich bei einer Wanderung verirren. Wer auf den gut erschlossenen Hauptstraßen bleibt, dem kann meiner Meinung nach nicht großartig etwas passieren. Hier kommen regelmäßig genügend andere Autos vorbei, die man bei einem Notfall um Hilfe bitten kann.

Wir fahren weiter zum Devil’s Golf Course (noch mehr Salzkrusten, so weit das Auge reicht – kurz aussteigen, dann haben wir auch hier alles gesehen) und fahren anschließend den Artist’s Drive entlang. Hier machen wir immerhin einen viertelstündigen Spaziergang, weil wir uns die bunt oxidierten Felsen (die sogenannte Artist’s Palette) auch aus der Nähe ansehen wollen.

Devils Golf Course Death Valley

Der Devils Golf Course im Death Valley

Death Valley Tagestour – meine beiden Death Valley Highlights zum Ende des Tages

Dann geht es mit dem Auto weiter zum Zabriskie Point, einem schönen Aussichtspunkt im Death Valley. Bis wir vom Artist’s Drive aus dort angelangt sind, vergeht gut eine halbe Stunde, dabei liegen die beiden Orte auf der Karte relativ dicht nebeneinander. Unterschätzt die Weite des Death Valleys auch in Bezug auf die Toleranzgrenze eures kleinen Mitfahrers nicht, nehmt ausreichend Beschäftigung für die Fahrten mit. Stellt euch darauf ein, dass eure Zeit im Death Valley hauptsächlich aus Autofahrten besteht, bei denen es draußen nichts zu sehen gibt, das für ein Kind auch nur im Entferntesten spannend sein könnte.

Beim Zabriskie Point angelangt werden wir mit einem faszinierenden Weitblick über bizarr geformte Felshügel bei wunderschönem Nachmittagslicht belohnt. Hier gefällt es mir richtig, richtig gut und ich wäre auch gerne ein bisschen dort spazieren gegangen. Mein absolutes Highlight unseres Tages im Death Valley!

Jedoch wird unsere, an diesem Tag wirklich fast ausschließlich im Auto verbrachte, Zeit langsam knapp und wir haben noch immer einen Punkt auf unserer Liste an Orten, die wir unbedingt anfahren wollen. Wieder vergeht über eine halbe Stunde, bis wir unser letztes Ziel des Tages erreichen: die Mesquite Flat Sand Dunes in der Nähe von Stovepipe Wells.

Mesquite Flat Sand Dunes Death Valley

Meiner Meinung nach ein absolutes Must-Visit mit Kind im Death Valley sind die Sanddünen Mesquite Flat Sand Dunes im Südwesten des Tals. Wir waren zum Sonnenuntergang dort, ein verdienter Abschluss unseres Tages und auch für Valentin endlich der verdiente “Spielplatz”. Hier gibt es Sanddünen, so weit das Auge reicht, eine gigantische Natur-Sandkiste.

Bei wunderschönster Sonnenuntergangsstimmung haben wir die schönste Sandburg unseres gesamten Roadtrips gebaut. Wie stolz Valentin auf seine Burg war. Welches Kind kann schon von sich behaupten, am heißesten Ort der Welt eine Sandburg gebaut zu haben? Ich war auch stolz auf ihn und darauf, dass wir mit ihm ganz problemlos den Tag im Death Valley verbracht haben, auch wenn der Tag für ihn zugegebenermaßen großteils weniger interessant war.

Mesquite Flat Sandduenen entdecken

Death Valley Tagestour mit Kind – ein paar weitere Tipps und Hinweise

Hier noch ein paar Punkte, an die ihr denken solltet, bevor ihr mit Kleinkind ins Death Valley fährt:

  • Meidet das Tal in den heißen Sommermonaten bzw. besucht es dann nur in den frühen Morgenstunden.
  • Wie im gesamten Südwesten der USA gilt auch hier Vorsicht vor giftigen Schlangen, Spinnen und Skorpionen, lasst eure Kinder daher niemals unbeaufsichtigt spielen.
  • Denkt an weite Baumwollkleidung und unbedingt eine Kopfbedeckung für eure Kinder, außerdem eine Sonnenblende für das Autofenster. Sonnencreme mit sehr hohem Lichtschutzfaktor sollte selbstverständlich sein.
  • Bleibt mit kleinen Kindern im Death Valley in der Nähe eures Autos und nehmt auch für ganz kurze Spaziergänge eine Wasserflasche mit.
  • Plant nicht zu viel. Für uns waren Badwater Basin, Devil’s Golf Course (einen Katzensprung von Badwater entfernt), Artist’s Drive, Zabriskie Point und die Mesquite Sand Dunes gerade so irgendwie schaffbar an einem Tag – dabei dachten wir, dass sich alles locker ausgehen müsste.
  • Nicht überall im Death Valley gibt es Handyempfang.
  • Konsultiert die offizielle Website des Death Valley, bevor ihr es besucht und informiert euch über aktuelle Wetter- und Hitzewarnungen bzw. gesperrte Straßen.
  • Man kann im Park auch übernachten. Dies ist zwar sehr zu empfehlen, um die kühlen Morgenstunden zu nutzen, jedoch kann frühzeitig alles ausgebucht sein. Daher rechtzeitig buchen! Ich weiß nicht, ob es besonderes Pech war, aber wir haben tatsächlich sogar im März nichts mehr im Park selbst gefunden!
  • In Stovepipe Wells, unweit der Mesquite Flat Sand Dunes haben wir übrigens in einem waschechten Saloon zu Abend gegessen. Unser sympathischer Kellner hat uns erzählt, dass er in ein paar Wochen das Weite suchen wird, wenn es ihm hier zu heiß wird – auf nach Alaska über den Sommer!
Mehr Tipps für die USA gibt es hier:

Familienurlaub im Südwesten der USA – mit dem Wohnmobil durch die Nationalparks

Roadtrip mit Baby: Quer durch die USA mit dem Wohnmobil

Tagestour Death Valley mit Kindern

Die Gastautorin

JohannaF

Johanna ist Fotografin und kommt aus Wien, ist aber großteils im Südburgenland aufgewachsen. Fotografie war schon seit ihrer Kindheit ein Hobby. Ihre ersten Fotos mit eigener Kamera hat sie mit 7 Jahren auf Kreta gemacht. Anfang 20 begann die Faszination für ferne Länder, u.a. ausgelöst durch einen dreiwöchigen Thailand-Rundtrip. Trotz knappem Studentenbudget legte sie jeden Cent fürs Reisen beiseite und merkte: Wenn man konsequent spart, geht sich selbst mit wenig Geld (und ohne hungern zu müssen!) erstaunlich viel aus!

Bald darauf machte sie, eigentlich ausgelöst durch das Interesse an der Reisefotografie, eine Ausbildung zur Fotografin an der Graphischen in Wien – doch bald fand man sie zwischen Newcomer-Models, Make Up Artists und Jungdesignern wieder. Es hatte sie mitten in die Welt der Modefotografie verschlagen. Sie arbeitete eine zeitlang wie besessen tagein tagaus an ihrem Portfolio, fotografierte nur mehr Menschen und vergaß dabei komplett das Reisen. Bis sie eines Tages fast über Nacht wieder genug von der Fashion-Welt hatte. Einfach so.

Eine Babypause später heißt es back to the roots: Nun mit ihrem knapp zweijährigen Sohn hat sie das Reisefieber erneut gepackt. Ganz besonders spannend findet sie, durch ihn die Welt auch selbst wieder ein kleines Stück mit Kinderaugen betrachten zu können. Sie möchte dabei nicht anders reisen, als sie es schon vorher getan hat, bevor sie Mama wurde: sehr aktiv und neugierig, mit allen Sinnen in ein Land eintauchen.

Sie lebt mit Sohn, Freund und zwei griechischen Streunerkatzen in Wien und studiert mal mehr, mal weniger enthusiastisch Germanistik. Sie liebt die Weite sowohl des Meeres als auch der Wüste und der Berge. Und Sonnenuntergänge. Sonnenaufgänge ebenso, wenn da nicht dieses verdammt frühe Aufstehen wäre …

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