Goodgang Karl

Ich liebe, liebe, liebe Kinder. Diese kleine Wesen bringen mich einfach immer wieder zum Staunen und Strahlen. Wir Erwachsenen meinen ja meist, dass wir sie erziehen und ihnen das Leben erklären müssen, dabei sehe ich es als unsere eigentliche Aufgabe, ihre Entfaltung nicht zu behindern, ihre Entwicklung zu unterstützen und wenn wir genau hinschauen, können wir so einiges von ihnen lernen.

Nachdem ich ein Jahr lang als Ergotherapeutin in einer amerikanischen Familie gelebt habe und mich schonmal in der Mutterrolle ausprobieren durfte, habe ich eine Liste angefangen, mit Dingen, die wir von Kindern lernen können. Es war an der Zeit, sie mal wieder herauszukramen und hier mit euch zu teilen.

von Kindern lernen

7 wichtige Dinge, die wir von Kindern lernen können: #1 Learning: Spielen

Das erste Learning ist auch meine Geheimzutat für ein glückliches Leben geworden und heißt: Spielen! Wir Erwachsene erlauben uns es ab einen bestimmten Punkt in unserem Leben meist nicht mehr. Dabei gibt es sogar Forschungen, die belegen, dass Spielen zu unserem Glück beiträgt. Außerdem ist es die erfolgreichste aller Lern- und Lehrmethoden, die wir leider im Laufe des Erwachsenwerdens verlernt haben.

Spielen bedeutet aber nicht nur auf dem Spielplatz herumtollen und hat auch nichts mit Puppenkiste oder Legokasten zu tun. Spielen bedeutet z.B. kreativ sein, ohne “Sinn und Zweck”, ohne Leistungsgedanke und Anspruch. Es bedeutet, sich auszuprobieren, etwas zu tun, worauf man Lust hat, ohne, dass dabei etwas entstehen muss, ohne Ziel, sondern einfach nur des Tuns wegen.

Für jeden drückt sich das in einer anderen Form aus bzw. gibt es ganz unterschiedliche Wege und Möglichkeiten, um einen Zugang dazu zu bekommen. Weißt du, wann und wodurch du spielerisch kreativ sein kannst? Wie fällt dir das Spielen leicht? Und wann hast du das letzte Mal gespielt? Wann hast du dir Zeit genommen, dich selbst auszuprobieren, zu entdecken und spielerisch zu erschaffen?

“Erwachsen” ist leider oft ein Synonym für „ernst”. Und da wundern wir uns, wenn es sich schwer anfühlt, dieses Erwachsen-Sein. Dabei muss es das gar nicht – es geht auch spielerisch und leicht! Aber das erfordert auch ein bisschen Mut. Schließlich könnte es passieren, dass unser Umfeld das so gar nicht versteht. Auch hier können wir uns wieder was von den Sprösslingen abschauen.

Karl streichelt Katzen

7 wichtige Dinge, die wir von Kindern lernen können: #2 Learining: Du selbst sein

Kindern drücken sich in der Regel viel stärker aus, als wir Erwachsenen. Sie lachen laut, wenn sie etwas lustig finden, egal ob es in der Kirche oder sonst wo ist. Sie tanzen frei und unbeschwert – egal ob es rhythmisch ist und für andere „gut“ aussieht. Sie singen, wenn ihnen danach ist, ganz gleich wann und wo, ungeachtet wie krumm und schief. Und wenn es Weihnachtslieder im Sommer sind, dann ist das auch egal. Sie sind einfach sie selbst und drücken sich aus. Spielerisch und leicht.

Gesellschaftliche Normen und Konventionen sind ihnen eben ziemlich egal. Wenn sie ihr neuen Superman-Outfit zum Einkaufen anziehen wollen, dann denken sie auch nicht darüber nach, was wohl all die anderen Menschen denken werden. Sie wollen es, also machen sie es.

Lass dich nicht unterkriegen; sei frech und wild und wunderbar.
– Pippi Langstrumpf

Sie lachen ihrem Spiegelbild fröhlich zu oder strecken ihm auch mal vergnügt die Zunge raus. Völlig egal – denn, sie nehmen sich selbst nicht allzu ernst. Aber wichtig!

Ihre Bedürfnisse haben Priorität. Ganz egal, was gerade ist, wenn ein Kind ein Bedürfnis verspürt, möchte es, dass es gestillt wird. Klar, irgendwann müssen wir lernen, dass wir nicht immer alles sofort und gleich haben können, dass sich die Welt nicht nur um uns und unsere Bedürfnisse dreht, aber das Problem ist, dass wir unsere Bedürfnisse manchmal total vergessen und aus den Augen verlieren. Schließlich haben wir ein verantwortungsvolles Erwachsenen-Leben, mit Pflichten, die es zu erfüllen gibt und überhaupt, haben wir ja so viele wichtige Dinge zu tun.

Aber was ist mit dem Wichtigsten überhaupt – was ist mit UNS SELBST?! Ja, wir dürfen uns und unsere Bedürfnisse wichtig nehmen (auch, wenn wir keine Kinder mehr sind).

Goodgang Karl

Apropos Verantwortlichkeiten und Pflichten. Manchmal häufen sich davon so viele an, dass im Alltag gar kein Platz mehr bleibt, um neue Dinge zu entdecken, darum gilt:

#3 Learning: Mit Entdeckerlust, Begeisterung und Freude durchs Leben

Die “Kleinen” verfügen über eine immense Begeisterungsfähigkeit und, für mich, kann diese so ansteckend sein. Ich finde, wir sollten das zulassen und nutzen. In der Zeit als ich jeden Tag stundenlang mit den Kindern unterwegs war, war ich auch viel achtsamer für all das Schöne, das mich umgab. Ständig habe ich die Augen danach offen gehalten, was es zu entdecken gibt, was ich den Kids zeigen kann und wo das nächste Abenteuer auf uns wartet.

Die kleinen Dinge wurden plötzlich wieder groß. Muscheln am Strand wurden unsere Schätze, die Natur wurde unser Spielplatz und wir waren glücklich, aus Naturmaterialien Sandburgen zu bauen. Wir haben nicht viel gebraucht und das genutzt, was wir hatten. Völlig unvoreingenommen sind die Kinder all dem Neuen gegenüber getreten und haben neugierig das Wunder Leben für sich entdeckt.

Muscheln suchen

Im Laufe der Zeit verlieren wir manchmal die Augen für all die Schönheit, die uns umgibt, für die vielen Abenteuer, die auf uns warten und die vielen kleine Dinge, die in Wahrheit das Größte sind. Wir wissen eigentlich, dass das Leben zu kurz ist, um es im Trott zu leben und die Augen vor seiner Schönheit zu verschließen.

Lasst uns also wieder entdecken, wie viel Magie in unserem Sein und in der Welt liegt.
Lasst uns wieder Wunder sehen und verzaubern lassen.

Man darf nicht verlernen, die Welt mit den Augen eines Kindes zu sehen.
– Henri Matisse

7 wichtige Dinge, die wir von Kindern lernen können: #4 Learning: Freundschaften schließen und viel Lachen

Kinder sind wahre Meister darin, schnell Kontakte zu knüpfen und neue Freundschaften zu schließen. Völlig unvoreingenommen treten sie dem Anderen gegenüber. Es spielt keine Rolle “wer” der andere ist, wie er aussieht oder wo er herkommt, um der neue Spielkamerad zu werden.

Wir sind da viel gehemmter. Sowohl wenn es darum geht in Kontakt zu treten, aber auch im Miteinander. Bei Kindern schmilzt das Eis viel schneller. Schon nach wenigen Minuten ist eine Ausgelassenheit zwischen den neuen Spielkameraden, für die Erwachsene manchmal ein halbes Leben brauchen.

Kinder lachen gemeinsam – und zwar ziemlich oft. Laut Studien ca. 400-mal am Tag. Und Erwachsene? Traurige 15-mal. Schon allein deswegen sollten wir viel mehr Zeit mit Kindern verbringen – sie lachen oft und ihr Lachen ist ansteckend. Meine Heldin Pippi Langstrumpf trifft es mal wieder auf den Punkt, wenn sie sagt:

Warte nicht darauf, dass die Menschen dich anlächeln … Zeige ihnen, wie es geht.

Karl vorm House of Wonders
7 wichtige Dinge, die wir von Kindern lernen können: #5 Learning: Im Hier und Jetzt leben

Kinder sind viel mehr im Hier und Jetzt. Sie sind voll und ganz im gegenwärtigen Moment, denn sie machen sich nicht so viele Gedanken um die Zukunft und lassen viel schneller von der Vergangenheit los. Wenn sie spielen, dann spielen sie und sind nicht schon im Kopf bei der nächsten Sache. Sie können sich dadurch so sehr in ihrem Spiel “verlieren”, in ihre eigenen Welt eintauchen, Zeit und Raum vergessen.

Erwachsene haben andere Lebensinhalte und Verantwortungen als Kinder, aber auch wir können uns immer wieder auf den gegenwärtigen Moment einlassen und achtsam dafür werden, ob wir vielleicht schon wieder an all die To-Dos denken, während wir gerade etwas anderes tun.

Nur wenn wir im Hier und Jetzt sind, können wir in den Flow kommen, können wir bewusst erleben und eigentlich ist es ja auch der einzige Moment, in dem wir wirklich leben können.
Gerade wenn wir das Gefühl haben, dass die Zeit nur so an uns vorbeizieht, sollten wir umso mehr bewusst im gegenwärtigen Moment sein.

Karl mit Spielzeug

Was die Vergangenheit betrifft, halten wir auch oft viel länger an ihr fest, als es uns dient. Kinder verzeihen und vergessen schnell, dadurch hält sie die Vergangenheit nicht zurück. Im einen Moment können sie voller Traurigkeit sein, das lassen sie zu und drücken es aus und somit kann die Traurigkeit wieder gehen. Dadurch können sie viel schneller wieder in ein anderes Gefühl gehen und z.B. im nächsten Moment voller Freude sein. Das bringt mich zu einem ganz essentiellen Punkt:

7 wichtige Dinge, die wir von Kindern lernen können: #6 Learning: Emotionen zulassen

In unserem gesellschaftlichen System ist wenig Platz für Emotionen. Weder ist Platz, um sie in unsere Bildung zu integrieren, noch ist Platz, sie im Alltag auszudrücken und zu leben.

Viele Erwachsene halten Emotionen leider auch für naiv und schädlich. Tatsächlich ist das Gegenteil der Fall: Emotionen zu unterdrücken ist destruktiv, schädlich und macht krank. Es ist naiv zu glauben, dass Emotionen keinen Einfluss auf unser Wohlbefinden und unsere Gesundheit haben. Körperliche Beschwerden haben ihren Ursprung größtenteils auf tieferen Ebene – bei den Emotionen. Doch ist die breite Masse der Gesellschaft vielleicht noch nicht soweit, das zu verstehen und anzuerkennen.

Wir “Großen” sind zu viel im Kopf und zu wenig im Gefühl. Dabei ist unsere Intuition viel schneller als unser Verstand und auch viel mehr in Kontakt mit unserem “wahren Selbst”.

Kinder sind noch nicht so stark programmiert und handeln, was das betrifft, noch viel natürlicher und intuitiver. Sie dürfen zwar auch noch lernen, wie sie mit den Emotionen umgehen können, doch sehe ich das auch bei vielen Erwachsenen. Wir lernen nämlich meist nur, wie wir Emotionen unterdrücken, wie wir sie wegschieben und dass sie keinen Platz haben dürfen.

Wie wäre es also, wenn wir uns selbst und unseren Kindern den Raum für Emotionen ermöglichen und dann neugierig und liebevoll entdecken, wie wir mit ihnen umgehen können, so dass es sich nicht negativ auf uns ausdrückt, sondern uns stärkt?! Wie wäre es, wenn wir uns selbst erlauben zu fühlen und das Fühlen zu lernen?!

Papa Karl

7 wichtige Dinge, die wir von Kindern lernen können: #7 Learning: Groß und grenzenlos Träumen

So oft haben wir gemeinsam fantasiert und die Kids hatten dabei so viel Freude und Glaube an das, was sie an Träumen erschaffen hatten. Für sie gab es keine Limitierungen, kein “sei mal realistisch”.

Fantasie ist wichtiger als Wissen, denn Wissen ist begrenzt
– Albert Einstein

Gerade der Kleine hat es geliebt zu “übertreiben” und alles überdimensional zu beschreiben. In seinen Augen hat es gefunkelt und er war dabei ganz aufgeregt. So, als wäre es jetzt schon da. So, als wäre es gewiss, dass genau das eintreffen wird.

Wir Großen machen es gerne umgekehrt: Wir halten unsere Träume klein und somit auch uns selbst. Wir setzen unserer Fantasie Grenzen und somit auch dem, was möglich sein kann und ist. Vielleicht haben wir auch ein bisschen das Vertrauen verloren. Hier zitiere ich gerne mein größtes Idol Pippi Langstrumpf:

“Das haben wir noch nie probiert, also geht es sicher gut.”

Ihre Aussage steckt voller Vertrauen in das Leben und in sich selbst. Sie glaubt daran, dass alles gut gehen wird. Mit dieser Einstellung, macht sie ganz andere Erfahrung als jemand, der voller Zweifel und Angst an die Dinge heran geht.

Ich erinnere mich noch genau an einen prägenden Moment dazu: die Kinder waren gerade dabei einen riesigen Turm aus Plastik-Bauklötzen zu bauen, als dieser plötzlich in sich zusammengefallen ist. Die Kids haben gejubelt und gelacht, sich sofort wieder auf die Bauklötze gestürzt und wieder von vorne angefangen. Einer der Jungs hat dabei aufmunternd gerufen “Let’s make it even bigger”.

Karl rennt

Ich stand daneben und musste lachen. Dann bin ich ins Nachdenken gekommen: “Wie hätte ich an meinem jetzigen Standpunkt im Leben darauf reagiert, wenn der Turm, den ich gerade aufbauen wollte, zusammenfällt. Wäre ich genauso euphorisch wieder zurück ans Aufbauen gegangen? Ich dachte nach, übertrug die Situation auf mein Leben und konnte mir gut vorstellen, wie es bei mir gelaufen wäre. “Ich wusste es doch. Du bist nicht gut genug.“ Mein innerer Kritiker wäre laut geworden und mit ihm wären meine Selbstzweifel gewachsen. Ich hätte mich vielleicht sogar entmutigen lassen, hätte mir erstmal vorsichtig einen Plan zurechtgelegt, etc. Ich habe wieder zu den Kindern geschaut und mir wurde klar, dass sie so viel Freude alleine beim Tun hatten, dass es egal war, ob der Turm am Ende auch steht und wie groß er wird.

Wenn wir uns selbst erlauben, groß zu träumen, wenn wir die Grenzen aus dem Weg räumen, die wir uns selbst gesetzt haben und aus dem Vertrauen heraus handeln, dann ist das Unmögliche möglich, dann können Träume Wirklichkeit werden und vor allem sind wir selbst wieder in der Lage, uns das Leben zu erschaffen, das wir haben möchten. Um es in Pippis Worten zu sagen:

“Ich mach mir die Welt, widde widde wie sie mir gefällt.”


DIE GASTAUTORIN

Teresa-Wochenende in Heidelberg

Hallo, ich bin Teresa. Meinen beruflichen Weg würde ich nicht unbedingt als geradlinig bezeichnen. Nach meiner Ausbildung als Industriekauffrau habe ich 1,5 Jahre in dem Beruf gearbeitet und dann einen Neustart gewagt. Ich bin zu neuen Ufern aufgebrochen und wurde Ergotherapeutin. Es war eine meiner besten Entscheidungen – es veränderte einfach alles. Vor allem mich. Ich wusste jedoch, dass ich nicht lange in der „klassischen“ Berufswelt bleiben will und nach weiteren fast 1,5 Jahren im neuen Beruf bin ich in New York gelandet, wo ich für eine Familie mit „Special Needs“ Kindern arbeite.

Es ist wohl keine große Überraschung, dass eine meiner Leidenschaften das Reisen ist. Ich möchte noch so vieles von der Welt entdecken, Orte und Menschen authentisch kennen lernen, unter die Oberfläche tauchen und eintauchen in das Leben. Lebensliebe ist eines meiner Lieblingswörter. Es beinhaltet viele meiner Wertvorstellungen und ist so etwas wie mein persönliches Mantra: Das Leben lieben, in diesem Moment, so wie es ist und offen sein für seine Schönheit. Ich bin daher ständig auf der Suche nach Inspiration und Momenten, die mir ein Strahlen ins Gesicht zaubern. Das ein oder andere von dem, was mir dabei begegnet, werde ich hier mit euch teilen und freue mich auf jeden Austausch mit euch.

 

2 comments

  1. So ein schöner Artikel. Toll geschrieben. Danke fürs Erinnern! Das werde ich mit meinem Lütten beherzigen. Denn er zeigt es mir ja schon die ganze Zeit. Ich habe es nur noch nie richtig wahrgenommen.

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