Neuseeland mit Kind Mount Cook

Endlose, fast menschenleere Strände, dichter Regenwald, schroffe Berge, die an die 4000 Meter hoch sind, türkisfarbene, eiskalte Seen, das Kreuz des Südens am Nachthimmel, glitzernde Wasserfälle mit Regenbogenschimmer, träge Robben und verspielte Delfine, eine pulsierende Großstadt im Aufbau, tausende Schafe auf sattgrünen Hängen: Die Südinsel Neuseelands hat viele Facetten. Sie ist wahrlich ein Traumziel – mit einem Nachteil: Das Wetter ist so unberechenbar, dass im Vorfeld gemachte Pläne immer wieder über den Haufen geworfen werden müssen.

Neuseeland mit Kindern Lake Wanaka

Wir hatten teils herrliches Wetter an Orten, an denen es sonst fast immer regnet – am Milford Sound zum Beispiel. Und wir hatten schauriges Wetter an Plätzen, an denen angeblich an fast allen Sommertagen die Sonne strahlt. In Christchurch nämlich, wo uns einen Tag nach der Ankunft bei herrlichen 26 Grad ein Zyklon erwischt hat. Das bedeutete: Ein Temperatursturz auf zehn Grad, frostige Böen vom Südpol und sintflutartiger Regen – zwei Tage lang, ohne Pause. Mit Camper und einem knapp vier Jahre alten Kind kann das ziemlich ungemütlich werden.

Neuseeland mit Kind Mount Cook

So lernt man bei einer Neuseeland-Reise schnell, sich am Wetter zu orientieren, statt an einem starren Zeitplan festzuhalten. Von vorgebuchten Rundreisen würde ich deshalb dringend abraten; da kann es passieren, dass man an jedem Ort ausgerechnet bei katastrophalem Wetter unterwegs ist. Dann sieht man weder den beeindruckenden Sternenhimmel noch die imposanten Berge, weil sich alles hinter Wolken verbirgt, kann weder Bootstouren unternehmen noch die Strände genießen.

Tipps für Neuseeland zu geben ist angesichts der unterschiedlichen Möglichkeiten und der Größe der Inseln gar nicht so einfach, da alles natürlich von den persönlichen Interessen abhängt. Wanderer finden herrliche Wege, die auch mit Kindern zu bewältigen sind. Die Strände im Abel-Tasman-Nationalpark an der Nordküste der Südinsel sind phantastisch für die ganze Familie. Und Abenteuerlustige können zum Beispiel Rafting schon mit Knirpsen ab etwa drei Jahren wagen; es gibt eigene Angebote für Familien mit Kindern – falls man sowas mag.

Ich habe nun einfach mal herausgepickt, was meinem Sohn Max besonderen Spaß gemacht hat – und uns Erwachsenen auch. Wir waren auf der Südinsel unterwegs, im neuseeländischen Sommer also. Gereist sind wir mit einem relativ kleinen Camper, knapp drei Wochen lang. Übernachtet haben wir meist auf gut ausgestatteten Campingplätzen, damit Max sich abends noch auf einem Spielplatz austoben konnte; die Campingplätze in Neuseeland bieten oft nicht nur einen coolen Spielplatz, sondern zudem ein Trampolin und manchmal auch einen mehr oder weniger großen Pool.

Neuseeland mit Kind Tipps

Neuseeland mit Kind – Tipp 1: Mit dem Boot zu den „Fairy Falls“ im Milford Sound

Die Bootstour durch den Milford Sound gehört zu den Höhepunkten auf der Südinsel, und wir hatten unverschämtes Glück mit dem Wetter. Tags zuvor hatte es gestürmt, während bei uns die Sonne strahlte und kaum ein Lüftchen wehte. Wegen des nächtlichen Regens stürzten die Wasserfälle ganz prächtig in die Tiefe – vor strahlend blauem Himmel.

Milford Sound

Der Sound mit seinen schroffen Wänden ist spektakulär und so riesig, dass sich die vielen Boote und Schiffe gut verteilen. Besonders schön fanden Max und ich eben jene Wasserfälle, die mal plätschernd, mal donnernd über die bemoosten Felswände in den Fjord strömen. Ganz zauberhaft sind die „Fairy Falls“, die ihren Namen tragen, weil das schneeweiß fallende Wasser aussieht, als würden Feen darin tanzen. Dazu spannt sich bei Sonnenschein ein Regenbogen durch die Gischt.

Neuseeland Insidertipps Fairy Falls

Neuseeland mit Kind – Tipp 2: Delfine, Robben und ganz viele Schafe

Da die meisten Kinder von Tieren begeistert sind, möchte ich neben den Robben und Delfinen, die wir zum Beispiel im Milford Sound erspähen konnten, noch ein weiteres Tier erwähnen. Ein ziemlich normales Tier, das aber auf der Südinsel Neuseelands trotzdem etwas ganz Besonderes ist: das Schaf.

Schafe grasen auf der Insel höchst fotogen auf sämtlichen grünen Hügeln. Nicht nur ein paar Schafe, sondern Hunderte von Schafen, ja Tausende. Genau diese Besonderheit meine ich: Es gibt Schafe in wahren Massen auf der Südinsel, die Herden sind viel größer. als man sie aus Deutschland kennt. Spannend wird es, wenn man einer Herde begegnet, die gerade von einer Straßenseite auf die andere getrieben wird. Denn dann steckt man unversehens mit dem Auto oder Camper mittendrin. Das kann dauern, aber der Anblick so unglaublich vieler Tiere ist überwältigend. Mein Sohn als Stadtkind hat jedenfalls sehr gestaunt.

Schafe in Neuseeland

Neuseeland mit Kind – Tipp 3: Mit der Trambahn durch Christchurch

Trotz des strömenden Regens in Christchurch ließen wir uns nicht davon abhalten, mit der historisch anmutenden Trambahn durch die Stadt zu fahren. Die Waggons sind zwar halboffen, es war darin aber immer noch trockener als zu Fuß. Das Bähnchen rattert über einen Rundkurs mit siebzehn Haltestellen, an dem etliche Sehenswürdigkeiten zu entdecken sind, und man kann mit der Tageskarte beliebig oft ein- und aussteigen.

Trambahn in Christchurch

Wir haben zum Beispiel am Canterbury Museum einen Stopp eingelegt. Es bietet etliche für Kinder geeignete Ausstellungsräume – unter anderem eine nachgebaute Straße der Kolonialzeit, in der man ein historisches Hochrad ausprobieren oder auf ein lebensgroßes (Kunststoff)-Pferd klettern kann. Interessant zur Einstimmung aufs Land sind die Maori-Säle.

Neuseeland mit Kind Canterbury Museum

Ein weiterer lohnenswerter Stopp ist der Cathedral Square mit dem beklemmenden Anblick der durch das schwere Erdbeben im Februar 2011 zerstörten Kathedrale. Es sieht noch immer aus, als hätte hier eine Bombe eingeschlagen. In der Ruine der Kirche, die man durch einen Bauzaun sehen kann, nisten die Vögel, riesige Löcher klaffen in der Fassade.

Die zerstoerte Kathedrale

Wegen jenes Erdbebens sind weite Teile Christchurchs nach wie vor eine Baustelle. Toll fand Max daher auch die Kräne und Bagger, die allerorten tätig sind, und die großartigen riesigen Wandbilder. Viele Mauern, die neben zerstörten Häusern stehengeblieben sind, wurden nämlich von internationalen Streetart-Künstlern gestaltet. Es gibt sogar einen eigenen Stadtrundgang zu den „Murals“, der vor allem etwas älteren Kindern bestimmt Spaß macht.

Streetart in Christchurch

INFOS: zur Trambahn unter www.tram.co.nz. Die Tageskarte kostet für Erwachsene 20 NZ$, Kinder fahren kostenlos. | Zum Museum informiert die Seite www.canterbury-museum.com. Geöffnet ist das Museum täglich von 9 bis 17 Uhr. | Der Eintritt ist frei wie in vielen Museen Neuseelands.

Neuseeland mit Kind – Tipp 4: Gondelfahrt in Queenstown und ein Haka auf dem Berg

Mein Sohn liebt Gondelfahrten in schwindelnder Höhe, sodass wir in Queenstown mit der „Skyline Gondola“ auf den Hausberg geschwebt sind. Die Aussicht von oben ist fantastisch. Nicht nur der enorme Lake Wakatipu zu Füßen des Berges und die dramatische Landschaft sind zu bewundern, es zischt auch immer wieder ein Bungee-Springer in die Tiefe oder ein Gleitschirmflieger fliegt ganz nah vorbei.

Queenstown Paragliden

Queenstowns Hausberg gibt es in der Bergstation der Seilbahn zudem einen Haka, einen rituellen Tanz der Maori, zu sehen. Es war nach einem beeindruckenden Auftakt mit lautstarkem Muschelhorn eine ziemlich touristische Angelegenheit, muss ich einräumen, mit Touristen, die mittanzten und so weiter – sowas muss ich eigentlich nicht haben. Mein Vierjähriger, der auch das Theater liebt, war allerdings total begeistert. Einige Wochen nach der Reise schwärmt er immer noch vor allem von dem Haka.

Neuseeland tipps Haka

Achtung: Baden im See in Queenstown ist übriges keine gute Idee, denn die Wassertemperatur beträgt ganzjährig um die zehn Grad.

Infos zur Gondel: www.skyline.co.nz. Die Gondel fährt von 9 Uhr bis spät abends und kostet 32 NZ$ für Erwachsene, 20 NZ$ für Kinder. | Die jeweils halbstündigen Haka-Aufführungen finden ab dem frühen Abend statt und schlagen mit 39 NZ$ für Erwachsene zu Buche.

Neuseeland mit Kind – Tipp 5: Badefreuden bei Nelson am Tahuna Beach

Wir waren an etlichen Stränden während unserer Reise auf der Südinsel, doch oft war das Wasser viel zu kalt zum Baden. Für mich sowieso, da ich tropische Temperaturen vorziehe. Das wärmste Wasser an einem gigantischen Strand, am Tahuna Beach, obendrein flach und ungefährlich, haben wir bei der Stadt Nelson an der Nordküste vorgefunden. Hier hatten wir wirklich Badewannentemperaturen und konnten ein paar Stunden plantschen. Wegen der höllisch starken Sonneneinstrahlung darf man natürlich nie einen guten Sonnenschutz vergessen – das muss in Neuseeland selbstverständlich sein. In Strandnähe gibt es auch mehrere Spielplätze und Cafés.

Warmer Strand Neuseeland

Neuseeland mit Kind – Tipp 6: So viele schöne Steine – an den Seen der Südinsel

Max spielt total gern mit Steinen und Stöcken, sodass wir während der Reise unser mitgebrachtes Spielzeug meist gar nicht gebraucht haben. Besonders viele schöne Steine – wobei mein Sohn jede Art von Stein schätzt – gibt es an den Ufern der Seen: zum Beispiel am Lake Wanaka und am Lake Tekapo.

Lake Wanaka Neuseeland

Am Lake Wanaka sind wir zum meist fotografierten Baum spaziert, der ein paar Meter vom Ufer entfernt aus dem Wasser ragt; während des bequemen Spaziergangs hat Max Berge von Steinen gesammelt. Der Lake Tekapo ist berühmt für sein herrlich türkisfarbenes Wasser – mit den schneebedeckten Gipfeln der Southern Alps dahinter ein traumhafter Anblick. Da Kinder von schöner Aussicht ja eher nicht so begeistert sind, waren wir froh, dass es auch hier eine Menge Steine zum Spielen gab.

Neuseeland mit Kind Lake Tekapo

Neuseeland mit Kind – Tipp 7: Im Regenwald

Ein großer Vorteil Neuseelands gegenüber Australien ist, dass keine Giftschlangen umherkreuchen. Das heißt: Kinder können auch im Gestrüpp mal voraus laufen. Was Max bei unseren kleinen Wanderungen auch immer gern gemacht hat. Ein paar schöne Wege durch den Regenwald finden sich zum Beispiel bei der Überquerung des Haast Pass von Wanaka in Richtung Westküste.

Wir legten immer wieder mal eine Pause ein, um in den Wald hinein zu spazieren und Wasserfälle zu sehen. Für meinen Sohn war es die erste Begegnung mit Regenwald, und er liebte die Farne und die Baumriesen mit moosiger Rinde. Einen Kiwi haben wir leider nicht entdecken können irgendwo im Wald, was logisch ist, weil die seltenen Vögel erstens nachtaktiv und zweitens sehr scheu sind. Ein Stöcke tragendes, stürmisches Kind würde jeden Kiwi in die Flucht schlagen. Es gibt in Neuseeland allerdings einige Zentren, in denen Eier der gefährdeten Kiwis ausgebrütet werden, sowohl auf der Süd- als auch auf der Nordinsel. Der Besuch lohnt sich unbedingt, weil zu Neuseeland ein Kiwi doch unbedingt gehört.

Neuseeland Regenwald mit Kind

Info: Kiwis sehen kann man zum Beispiel im West Coast Wildlife Centre in dem Örtchen Franz Josef an der Westküste. Hier werden zwei besonders seltene, vom Aussterben bedrohte Kiwi-Arten aufgezogen. Die Vögel werden nach der Aufzucht in die Freiheit zurückgebracht. Mehr dazu unter www.wildkiwi.co.nz. Die Preise liegen zwischen 35 und 55 NZ$ für Erwachsene und 20 bis 35 NZ$ für Kinder, je nachdem ob man einen Rundgang auf eigene Faust oder eine Backstage-Tour bucht.

Familienurlaub Neuseeland Lake Tekapo

Soweit meine sieben sehr subjektiven Tipps zum Reisen auf der Südinsel Neuseelands mit Kleinkind. Tipps zur Nordinsel folgen demnächst.

Neuseeland mit Kindern


Die Gastautorin

Ich heiße Lara Hausleitner, bin Germanistin, Kunsthistorikerin, Theaterwissenschaftlerin und vor allem begeisterte Weltentdeckerin. Mein Geld verdiene ich als Redakteurin bei einer süddeutschen Tageszeitung. Zudem schreibe ich gelegentlich für Kunstzeitschriften und Künstlerkataloge, und ich bin Co-Autorin zweier Reiseführer über meine Heimatregion Franken. Ich lebe in einer barocken Kleinstadt nahe Nürnberg. Rund zwei Monate jedes Jahres verbringe ich reisend irgendwo im Ausland … was wegen vieler freier Tage durch Wochenenddienste zum Glück möglich ist.
Mein Sohn Max ist jetzt vier Jahre alt und steckt immer noch in der Trotzphase. Fliegen liebt er, sodass die zwei Mal zwölf Stunden über Hongkong nach Neuseeland ohne Probleme geklappt haben. Es soll ja tatsächlich eine genetische Mutation geben, die für unstillbare Reiselust verantwortlich ist – ich hoffe, mein Sohn hat dieses „Reise-Gen“ geerbt.

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