Image Image Image Image Image Image Image Image Image Image

Little Lilies Diary | 16. October 2017

Scroll to top

Top

0 Kommentare

#MomTalk: Wie lerne ich unpopuläre Entscheidungen zu treffen & Nein zu sagen?

Pia
  • am 21. Mai 2017

Momentan geht bei uns ab 19 Uhr die Luzie ab, genau genommen, wenn es heißt „Zähne putzen und ab ins Bett“. Denn obwohl der Butjer erst ein zartes Jahr alt ist, weiß er ganz genau, was er will und was nicht. Und alleine in seinem Bett einzuschlafen missfällt ihm leider. Blöderweise weiß er auch ganz genau, bei wem sein Protest Früchte trägt und leider bin ich in diesem Fall der emotional schwächere Elternteil, was die gerade Linie angeht.

Er ist gerade mal ein Jahr alt und testet schon seine Grenzen aus. Und weil wir leider noch nicht sprachlich miteinander kommunizieren können, regelt er das übers Weinen und die Lautstärke. Durch diesem allabendlichen Kampf, der mir natürlich auch tagsüber im Kopf herumspukt und einer dringenden Lösung bedarf, hat mich vor ein paar Tagen der Geistesblitz getroffen Das ist nur der Anfang. Der Anfang eines wahrscheinlich 18 Jahre andauernden Kampf, wer die Grenzen für das Familienleben zieht. Deswegen heißt meine aktuelle Challenge: Ich muss lernen, Nein zu meinem Baby zu sagen und dafür Ja zu meinen Grenzen.

Ich war gegen Ende meiner Stillzeit (nach acht Monaten) emotional ziemlich fertig. Ich wollte meinen Körper einfach wieder für mich, wollte nicht jeden Abend um acht mit dem Baby ins Bett und ihn in den Schlaf stillen. Das war nämlich unser Ritual und ich habe es anfangs auch sehr genossen, aber irgendwann wollte ich auch mal wieder einen entspannten Abend auf dem Sofa genießen.

Ich fühlte mich aber nicht bereit, jeden Abend ein schreiendes Baby zu ertragen, sondern ließ mich anfangs oft erweichen und gab doch die Brust. So kam es, dass mein Freund das Ins-Bett-bring-Ritual komplett übernahm. Die ersten Wochen waren natürlich hart, aber die beiden haben sich irgendwie eingegroovt und mein Freund hat es einfach durchgezogen. Schon damals habe ich gemerkt, dass das bei mir so nicht super klappt. Ich lasse mich viel schneller erweichen, den kleinen Mann wieder aus dem Bett zu holen, wenn er gegen die neue Schlafroutine protestiert. Leider gab es bei uns auch bisher nicht dieses sagenumwobene „Er schläft jetzt einfach alleine ein“-Moment.

Versteht mich nicht falsch, ich möchte nicht versuchen, mein einjähriges Kind perfekt zu formen und zu erziehen, in dem ich ihm lautstarke Neins entgegen brülle, wenn mir etwas gegen den Strich geht. Ich merke nur immer immer mehr, dass ich meine Grenzen erkennen muss und deutlicher darauf Acht geben möchte. Ich lasse mich oft dazu hinreißen, über meine Kapazitäten zu gehen und dafür fehlt mir dann oft in wichtigen anderen Bereichen Energie. Klar, es kostet mich momentan auch Zeit und Energie, jeden Abend hinter der Kinderzimmertür zu stehen und das Weinen die fünf Minuten zu ertragen, bis der Kleine sich zur Ruhe legt. Aber er wird irgendwann verstehen, dass wenn er ins Bett gebracht wird, einfach schlafen kann und der Spaß am nächsten Morgen weitergeht. Oder?

Und jetzt mal in die Zukunft gedacht: Ins Bett gehen ist die eine, die erste Problem-Geschichte, die sich mit Sicherheit auch irgendwann von allein erledigen würde, wenn ich einen langen Atem hätte. Aber in meinem Kopfkino bin ich schon ein paar Jährchen weiter. Diskussionen über die Klamotten-Auswahl, über die Zeit für Hausaufgaben, ob das Musikinstrument geübt werden muss, die Haare gewäschen werden müssen, „wann muss ich wieder Zuhause sein?“ und und und …

Möchte ich jede Entscheidung, die ich für mich und mein Kind treffe, mit ihm diskutieren? Möchte ich immer für das alleinige Wohl meines Kindes entscheiden? Es ist doch gerade in einer Familie wichtig, dass es allen gut geht und nicht nur den Kindern. Denn entspannte, gut gelaunte Eltern sind doch die, mit denen man gern Zeit verbringt und die den „Familienspirit“ ausmachen, oder? Es kann sich doch nicht alles nur ums Kind drehen.

Ich fühle mich ein bisschen so, als ob bei mir ein Geistesblitz eingeschlagen hätte: Eltern sein bedeutet unpopuläre Entscheidungen zu treffen, Nein zu sagen und dann hinter der Kinderzimmertür zu stehen und zu denken „Wieso muss ich diesen blöden Nein-sage-Job machen?“. Aber das gehört wahrscheinlich dazu und wird mit anderen, schöneren Familienmomenten entlohnt.

Und wie Jesper Juul (der Familientherapeut und Erziehungs-Gott) so schön sagt: „Geh ruhig Kaffee trinken, oder mach etwas Vernünftiges mit deinem Leben. Aber sei nicht immer bei den Kindern. Die kriegen viel, viel, viel zu viel Aufmerksamkeit.“ Das werde ich jetzt lernen: Nein sagen, mich nicht aus der Ruhe bringen lassen und Diskussionen führen und mich dann mit Kaffee und Kuchen belohnen. Hoffentlich.

Interessante Artikel zum Thema Grenzen setzen gibt es hier:

eltern.de: Wie viel Nein muss sein?

faz.net: Jesper Juul sagt: „Viele Eltern benehmen sich wie Flugbegleiter“ 

Kommentar abgeben