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Little Lilies Diary | 11. October 2017

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Komm schon, Baby! Wie fühlt es sich an, wenn das Wunschkind ausbleibt?

Pia
  • am 21. September 2017

„Na, und wann ist es bei euch soweit?“ Eine Frage, die ich in den letzten Jahren vielen befreundeten Pärchen gestellt habe, von denen ich meinte, sie wären doch inzwischen doch bereit, ein Kind zu bekommen. Inzwischen würde ich diese Frage nicht mehr so unbedacht stellen. Warum? Weil 6 Millionen Frauen und Männer in Deutschland (zwischen 25 und 59 Jahren) ungewollt kinderlos sind.

Jedes siebte Paar in Deutschland ist ungewollt kinderlos

6 Millionen – das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Verdammt viele! Da stelle ich mir inzwischen die Frage: Wie viele von meinen Freunden und Bekannten sind betroffen? Wie viele habe ich vor den Kopf gestoßen, weil sie vielleicht gerade versuchen, ein Kind zu bekommen, aber der Schwangerschaftstest den zweiten Streifen immer noch auslässt?

Aufmerksam geworden auf dieses Thema bin ich über den Buchtipp einer Freundin. Das Buch „Komm schon, Baby“ von Lea Lemon und der dazugehörige Podcast auf iTunes haben mich mitgenommen, durch die drei Jahre, in denen die Romanfigur Marie bzw. die Podcasterin und Autorin des Buchs Lea probiert hat, schwanger zu werden. Dabei hat sie einige Höhen und Tiefen erlebt, von denen sie mir im Gespräch genauer berichtet hat.

 

Lea Lemon-Komm schon Baby

Keiner redet darüber!“, sagt Lea am Telefon zu mir. Das ist ihrer Meinung nach der Kern des Problems. Sicher kennt jeder im Freundeskreis Menschen, die ungewollt kinderlos sind. Aber sie erwähnen es eben nicht. Sie verschweigen es aus Selbstschutz, weil es ein verdammt unangenehmes Gesprächsthema ist.

Mit Anfang dreißig, als schon ein paar Babys im Freundeskreis geboren wurden, beschlossen Lea und ihr Freund, dass es nun auch für sie soweit sein sollte. Sie wollten ein Baby machen. Mit freudigem Tatendrang gingen sie an die Sache heran und miteinander ins Bett. Aber das Kind blieb aus. Somit wuchs auch der Druck, Lea fing an ihren Zyklus zu tracken, genau zu bestimmen, wann ihre fruchtbaren Tage sind – und sie machten Liebe … nach dem Kalender getimt.

„Jetzt war es eher eine Sekretärin, die mit gezücktem Kalender in der Hand und strengem Gesicht unsere Beischlafbemühungen überwachte. Manchmal schaffte ich es, sie mit einem lauten Stöhnen aus unseren Köpfen zu verjagen, dann machte es wieder Spaß und fühlte sich an wie früher. Manchmal aber gelang es nicht, sie wegzudenken. Dann saß die Sekretärin mit hochgezogenen Augenbrauen neben uns auf der Bettkante, während wir unseren Job mehr oder weniger verkrampft erledigten. Sobald wir fertig waren, wiegte sie den Kopf hin und her und setzte mit verkniffenem Gesicht ein Häkchen in ihren Kalender.“

[Auszug aus: Lea Lemon. „Komm schon, Baby.“]

Lea Lemon-Methoden um schwanger zu werden

Die Kinderwunschklinik

Irgendwann kam es dann zum ersten Besuch in der Kinderwunschklinik. Und Lea bekam die Diagnose Unfruchtbarkeit. Für sie war diese wie ein Befreiungsschlag. Weil von nun an klar war, dass sie nicht selbst beeinflussen konnte, schwanger zu werden. Wie viele Frauen hatte Lea die Diagnose Endometriose. Das bedeutet, dass ihre Eierstöcke nicht frei waren und die Eier somit nicht am richtigen Platz, um befruchtet zu werden.

Daraufhin gingen die IVFs (In-vitro-Fertilisation/Befruchtungen im Glas) für Lea los. Und die Hormonbehandlungen. Eine Zeit, die sie wie einen Marathon beschreibt, bei dem das Ziel die Schwangerschaft ist. Dieser Marathon dauert bei vielen Frauen mehrere Jahre – und auf diesem Rennen gehören Rückschläge zur Tagesordnung.

In der aktuellen fünften Folge ihres Podcast berichtet Lea sehr ehrlich und intensiv über ihre psychische Verfassung während der Kinderwunsch-Zeit. Denn es ist unvermeidbar, dass Freunde im eigenen Umfeld schwanger werden. In Leas Leben gab es Menschen, bei denen es für sie erträglich war, dass sie ein Kind bekommen. Aber dann wurde eine ihrer besten Freundinnen schwanger.

„Es fühlt sich an, als befände ich mich seit Jahren in einem Rennen, ohne je anzukommen. Ich kann noch nicht einmal die Ziellinie sehen. Und dann, ganz unerwartet, werde ich von Leuten überholt, von denen ich gar nicht wusste, dass sie mitmachen. Die ich weit hinter mir vermutet hatte. Plötzlich laufen diese Leute einfach an mir vorbei ins Ziel. Lassen mich hinter sich, hängen mich ab mit einer Leichtigkeit, für die ich sie hasse.
Und dann kommt er, der schlimmste aller Gedanken. Ich kann nichts dagegen tun, plötzlich ist er einfach da.
Merle ist bestimmt noch nicht über den dritten Monat hinweg.
Viele Frauen verlieren ihre Kinder in dieser Zeit noch.
Einen Moment lang halte ich verdutzt inne. So, wie man irritiert reagiert, wenn jemand mitten im Gespräch etwas Unpassendes gesagt hat. Habe ich – frage ich mich lautlos – das gerade wirklich gedacht?“

[Auszug aus: Lea Lemon. „Komm schon, Baby.“]

Lea berichtet, dass sie nur mit Frauen darüber reden konnte, die dasselbe Problem hatten wie sie. Sogar die beste Freundin gab Tipps wie „Du musst sich einfach mehr entspannen. Dann klappt das schon!“ Ein Kommentar, wie er verletzender nicht sein könnte.

Lea Lemon-nervige Dinge von Eltern

Deswegen suchte sie auch eine Unfruchtbarkeits-Selbsthilfegruppe auf. Es tat ihr gut, zu sehen, dass sie nicht allein mit ihrem unerfüllten Wunsch war. Doch dabei schwang natürlich auch immer mit, dass die Freundschaften, die sie dort knüpfte, Freundschaften auf Zeit waren. Die bis zu dem Punkt halten, an dem eine von beiden schwanger werden würde.

Ich möchte euch nicht zu viel von dem Buch und Leas grandiosem Podcast spoilern. Ich kann euch nur ans Herz legen – egal, ob ihr Kinderwunsch habt oder nicht – hört ihn euch an, oder lest das Buch. Ich bin so beeindruckt von Leas Geschichte und ihrer Persönlichkeit. Was für eine starke Frau, die durch eine so harte Zeit gegangen ist und nun den Mut hat, uns an ihrer Geschichte teilhaben zu lassen – und vor allem auch die dunklen Momente dieses Marathons nicht ausspart.

Vielen Dank an Lea für das tolle Interview. Die Listen findet ihr in ihrem E-Book!

Fotos: pixabay

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